The Geek shall inherit the earth.

Was kostet meine Integrität?

| 2 Kommentare

150 Euro.
Zumindest habe ich das letztlich mal behauptet.

Letzte Nacht flatterte mal wieder eine Anfrage einer New Media Agentur in mein Mailpostfach – mit Standard-Text, aber immerhin fehlerfrei. Und auf englisch. Ich bin des Englischen mächtig, das ist nicht der Punkt – aber dieser Blog enthält doch eben überwiegend Beiträge auf deutsch. Da fragt man sich, was genau wollen Werbekunden von der Insel und aus dem englischsprachigen Raum mit Werbung auf meiner Seite?
Eine Rückfrage bei der Agentur ergab, dass die Art der Werbung völlig zufällig sein würde.
Wozu soll ich einen Banner für Online-Games auf meiner Seite platzieren, oder für eine Kreditbank? Das waren neben den üblichen Verdächtigen Kosmetik, Gesundheit und Kommunikation die Themen, die mir auf meine Frage genannt wurden.
Diese Art von Onlinewerbung ist etwas, das man 1999 gemacht hat, bis man feststellte, dass
total seltsam und unerwartet – irgendwann ein Sättigungseffekt eintritt und die Menschen
noch seltsamer und unerwarteter – genervt waren von blinkenden Bannern und Popups.
Ich habe keine Probleme mit Werbung, ganz im Gegenteil, eine zeitlang habe ich mein Geld mit Werbung verdient, und würde es auch jederzeit wieder tun (gerne sogar!).

Womit ich als Verbraucherin und Bloggerin in Personalunion ein Problem habe, ist Bullshit.

Wie regelmäßige Leser meines Blogs wissen, spicke ich bei Gelegenheit Texte mit Affiliate-Links – jedoch nur, wenn ich ohnehin einen Link zu dem Shop gesetzt hätte.
Für einige Artikel recherchiere ich einige Stunden, für andere mache ich Fotos, immer investiere ich Zeit – und hauptsächlich tue ich das, weil ich Spaß daran habe.
Wenn aber der Spaß mich dabei unterstützen kann, das Hosting für den Blog zu zahlen oder alle paar Monate mal ein Amazon-Gutschein für mich dabei herauskommt, finde ich das schön.
Ich versuche auch immer, transparent zu machen, wann ich Affiliate-Links platziere. Manchmal vergesse ich es auch, und hoffe, dass es mir niemand übel nimmt.

Und ich hätte auch gar keine Probleme damit, für einen konkreten Betrag eine Werbefläche in meinem Blog freizumachen – sei es in einer Sidebar oder als bezahlter Eintrag.
Womit ich ein Problem habe, sind Firmen die Blogger abzocken – und sich selbst auch, indem sie in billigen Blogs mit schlechtem Stil Beiträge platzieren lassen.
So wie vor einigen Monaten, als ein Online-Brillenhändler auf mich zukam und fragte, ob ich Interesse an einer Kooperation hätte. Als ich nach Details fragte, wurde mein Blog dann plötzlich im Wert heruntergestuft und mir wurde gesagt, man könne keine großen Sprünge machen. Nachdem ich dem Mitarbeiter dann noch erklärt hatte, dass man “Du” als Anrede groß schreibt und ihn auf diverse andere Rechtschreibfehler in seiner letzten Mail hingewiesen hatte, war das ganze natürlich durch. Er versuchte das ganze charmant zu retten, er konnte ja nun nicht wissen, dass er bei mir damit an der völlig falschen Adresse gelandet war.
Kein einziges Mal wurde mir übrigens ein konkreter Betrag genannt, der mir als Gegenleistung für meinen Blogpost angeboten werden sollte. Das war mir einfach nicht konkret genug.

Was mich aber besonders faszinierte waren die Blogposts, die in den folgenden Wochen die einschlägigen Beautyblogs, die ich abonniert habe, auftauchten.
Urplötzlich waren xfach Bloggerinnen auf die Idee gekommen, genau bei DIESEM Onlineshop eine neue Sonnenbrille im Wert zwischen 120 und 150 Euro zu ordern. Einige hatten wenigstens noch den Anstand, die Kooperation anzumerken, andere sparten sich den Hinweis darauf, dass sie die Brille kostenlos bekommen haben, einfach ganz.

Dann gibt es noch Bloggergewinnspiele wie das von Sheego, an dem ich ja nun auch teilgenommen habe. Eigentlich muss jedem Veranstalter eines solchen Wettbewerbs klar sein: Wenn ich nicht gewinne, geht der Artikel offline. Ich habe einige Stunden investiert, stelle Werbeplatz bereit, und hätte ich das ganze im Rahmen meiner selbständigen Tätigkeit abgerechnet, hätte das ganze weitaus mehr gekostet als 150 Euro . Da ich nun gewonnen habe, werde ich den Artikel natürlich online lassen – das finde ich dann nur fair und gerecht.

Generell habe ich kein Problem damit, Werbung auf meinem Blog zu plazieren – sofern ich etwas davon habe, und meine mittlerweile 5 ½ Leser auch. Und damit meine ich nicht einen 10% Gutschein für einen Onlineshop, sondern sinnvolle Werbung zu Themen, die mich und die Leser dieses Blogs wirklich interessiert.
Denn wenn ich einen ganzen Artikel schreibe, an dem ich zwei oder mehr Stunden sitze, und für den ich dann auch noch Fotos mache und bearbeite, dann möchte ich dafür entsprechend entlohnt werden – sonst kann ich nicht glaubhaft vermitteln, dass ich das ernstmeine, was ich gerade verzapfe, und dann landen wir wieder beim Bullshit!

Übrigens: Seitdem ich diesen Artikel geschrieben und aus persönlichen Gründen auf Eis gelegt habe, habe ich bereits wieder Anfragen für bezahlte Blogartikel bekommen.

Was kostet also meine Integrität? Nicht 150 Euro, jedenfalls.
Aber wer sich nach diesem Artikel noch ernsthaft für Werbeplatzierungen in meinem Blog interessiert, darf mir gerne eine Mail schreiben, in der er konkret schildert, welche Art von Kooperation er sich vorstellt und was er dafür bereit ist, zu als Gegenleistung zu erbringen.

Und Ihr so? Was haltet Ihr von Blogger-Bullshit? Und was kostet Eure Integrität?

flattr this!

2 Kommentare

  1. Huhu!
    Du hattest letzthin schon mal bei Twitter einen Link mit einem guten Text zu diesem Thema gepostet.
    Generell kann ich diesen Angeboten per Mail nicht viel abgewinnen. Wie Du weißt wurde ich unter anderem von Vista Print angeschrieben. 20 Euro Gutschein waren das Angebot. Auf meine Nachfrage was der Beitrag enthalten solle und dem Hinweis ich wäre Mediengestalter, kam der Wunsch nach einem ausführlichen Bericht über Flyergestaltung… Aber das Angebot wurde nicht dem “ausführlich” entsprechend “angepasst”. Daher habe ich bisher (also weiterhin) drauf verzichtet das Thema überhaupt weiter zu verfolgen.
    Wenn mir was gefällt und es in meinem Blog eh zu einem Eintrag passt, dann wirds auch mal verlinkt. Egal ob ich dafür Geld bekomme oder nicht. Dann bin ich von dem Link als solches auch überzeugt.
    Aber mir Arbeit machen für einen Pillepallegutschein – och nö.
    Lesen möchte ich solche Beiträge an sich auch nicht. Eine Ausnahme wäre es, wären diese ähnlich Deinem Sheego-Beitrag gemacht. Ausführlich, hübsch und ohne traumhaftes Blabla.
    Du weißt was ich mein Wink

  2. Es hat mich jetzt übrigens auch erwischt: diese Werbemenschen aus UK haben mich im identischen Wortlaut angeschrieben. Scheinen das sehr unausgewählt zu machen, immerhin habe ich weder viele Leser noch in den letzten 12 Monaten etwas gebloggt. Gleiches Angebot wie bei Dir, ich habe aber zurückgeschrieben dass ich a) keine Standardantwort erwarte und b) nur Bannerwerbung eine Option wäre. Ich warte mal ab, was da so kommt. Ich glaube, man könnte sich mit denen ähnlich lustige Scherze wie mit den Nigeria Fraud Jungs erlauben und mal schauen, wie weit man die Verhandlungen so bringen kann. Bleibt also nur AdWords, wobei man da ja auch keinen Einfluss auf Content hat.
    Christian Louis recently posted..Man wird ja nicht jünger – oder: Fitness im Alter

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