The Geek shall inherit the earth.

Weihnachten alleine

24. Dezember 2013 von Knitterfee | 1 Kommentar

oder: wie ich mich nicht umbrachte, keine Drogen kaufte und nicht mitgeschnackt wurde.

IMG_4575w

Weihnachten alleine zu verbringen ist für viele Menschen eine Horrorvorstellung – und ich kann direkt sagen, es ist schlimmer als man es sich vorstellt – und gar nicht so schlimm wie man es sich vorstellt.
Ja, Ihr seid mal wieder richtig gelandet in der zentralen Ausgabestelle für paradoxe Weltansichten.
Wie ist das also mit Weihnachten und allein sein?

Erstmal ist es scheiße.

Denn selbst wenn man sonst ganz gut mit sich selbst klarkommt, an Weihnachten sind plötzlich alle verpflichtet – oder verbringen freiwillig Zeit mit ihrer Familie. Ab 16 Uhr herrscht Totentanz auf Facebook, und selbst die emsigsten Twittermenschen funken in stark verringerter Frequenz.

Es gibt also nicht mal mehr die Möglichkeit, sich mittels Social Media eine Traumwelt aufzubauen, in der man nicht alleine ist. Schreibt auch keiner mehr, und wenn, dann muss man erklären warum man alleine ist. An Weihnachten!
Puha. Wenn man eher so der wenig nachdenkliche Typ Mensch ist, kommt man vermutlich ganz gut klar. Ich bin eine Träumerin, ich denke ständig, das weiß man ja. Die Gedanken werden immer lauter, der Lüfter des Rechners unter dem Schreibtisch auch.

Hunger? Nö. Extra leckeres Essen gekauft, wenn alle anderen sich den Bauch vollschlagen, kann ich das ja wohl auch. Nur für eine Person zu kochen bin ich gewohnt, alles kein Thema. Aber kein Hunger – der Tag lässt sich auch gut mit Milchkaffee und Zigaretten überstehen.

Und wenn alle anderen sich schickmachen, kann ich das auch. Inklusive falscher Wimpern und Chanel-Lippenstift. Das volle Programm.
Was mach ich damit? Fotos. Damit das Herbstmonologmädchen mir wieder sagen kann, wie schön ich bin. Das lese ich nämlich immer so gerne. Ausserdem will ich dringend bei Magis Silvesterlook-Gewinnspiel mitmachen. Passt ja, irgendwie.

Fotos gemacht, bearbeitet. 17 Uhr. Die Timeline füllt sich so langsam mit Fotos von Weihnachtsbäumen. Die Menschen, die sonst Essen posten, das bestimmt in echt total super aussieht, auf den totgeblitzten Handyfotos aber irgendwie immer so aussieht wie schonmal gegessen, posten heute Weihnachtsbäume. Die Weihnachtsbäume kommen mit wenigen Ausnahmen nicht besser weg als das Essen, ausser dass sie auf Grund der gewünschten Bildstimmung nicht das Schicksal des totgeblitztwerdens erleiden müssen.
(Und wenn mir das jetzt einer übelnimmt und sauer ist, weil ich seinen Weihnachtsbaum beleidigt hab: Es gibt so Listen auf Facebook. Zeig mir nächstes Jahr einfach nicht Deinen Weihnachtsbaum. Bau eine Grinch-Liste.)

18 Uhr. Vereinzelt Berichte über Fressgelage. Die Polizei hält ein Eingreifen aber wohl für übertrieben. (Zum eigentlichen Polizeiteil komme ich gleich noch.)

Ich sehe mir auf Netflix die Miley-Cyrus-Version von LOL an. Was hab ich nur erwartet? Esse einige Rauchmandeln und Schinken, und Salami, und Schokolade. Ha, kann mir doch den Bauch vollschlagen.

20 Uhr. Die Berichte von der Front über Mehr-Gänge-Menüs und Alkohol verdichten sich. Immer noch kein Eingreifen der Polizei.

Ich will Bier.

20:05: Anziehen. Ja, ich hab den ganzen Tag mit vollem Makeup und frisch frisiert in Gammelklamotten zu Hause rumgehangen. Frischluft, Hafenluft, jetzt.

Schön warm einpacken. Ist ja Weihnachten, also Winter.
Draußen vor der Tür ist Sommer. Windig, aber warm. Orrrr.
Is mir egal, ich lass das jetzt so.
Ohne Musik auf den Ohren ab über die Davidstraße Richtung Brücke 10.

St. Pauli ist seltsam still, nur einige wenige (vermutlich türkische, ohgott, ist das jetzt politisch unkorrekt?) Mitbürger und jede Menge afrikanische Drogendealer laufen durch die Gegend. Nein, die Drogendealer stehen. An ihren Ecken. Wie immer.
A propos stehen: in der Davidstraße vor Burger King stehen keine Mädels. Ob die wohl erst später für’s Weihnachtsgeschäft anreisen?
Unten an Brücke 10 ist es leer wie immer um diese Zeit im Winter. Vereinzelt Pärchen auf Weihnachtsspaziergang, sie riecht nach Douglas, er nach Persil.
Da ist er, der Kloß im Hals.
Es geht ja gar nicht darum, dass mir zwingend danach ist, in trauter Zweisamkeit unter einem Baum zu sitzen (mal abgesehen davon, dass das schön wäre, aber das wäre dann keine Tanne, es wäre Sommer, und der Baum stünde irgendwo in der Stadt und hätte seine Wurzeln noch). Es geht mir darum, dass keiner da ist.
Ein einsamer Mensch steht da rum, ich kann aber sein Gesicht nicht sehen. Bin kurz davor, ihn zu fragen ob er mit mir Bier trinken will.
Lasse es dann aber doch lieber, nicht dass er nachher behauptet, ich hätte ihn mitgeschnackt.

Ich beschließe, Richtung Fischmarkt zu laufen. Die übliche Strecke für Momente, in denen ich die Hafennähe besonders genießen will.
Auf der Höhe des Golden Pudel Club hält auf der Bushaltestelle ein Polizeiwagen.
Männlicher und weiblicher BeamterIn steigen aus, und sprechen mich an.
Meine Erscheinung passt offenbar auf eine Frau, die gesucht wird, weil sie sich umbringen will. Wer das behauptet, frage ich. Der Lebensgefährte, sagt der Polizist. Ich sag “den gibt’s nicht”. Er lässt sich dennoch meinen Ausweis zeigen und notiert sich meinen Namen. Sagt mir dann noch, dass er eigentlich jetzt gerne nen Kaffee mit mir auf der Treppe trinken würde, aber dass er ja leider eine suizidale Frau suchen muss.

Hab ich auch noch nie gehört, “ich mag Dich, aber Du bist mir nicht suizidal genug.”.

Er sagt, dass ich jetzt aber auch nicht so richtig glücklich aussehe. Ich sage, wer an Heiligabend allein durch die Gegend läuft, ist vermutlich auch nicht so glücklich, aber ich bring mich nicht um, echt. Ich spare mir den Hinweis, dass ich solche Spielchen ja kenne (Psychovergangenheit sei Dank) und mich dann im Zweifel selber in Ochsenzoll einweisen würde. Nein, musste ich noch nie tun, kenne ich aber aus meinem Umfeld. Ist auch nix dabei, lieber lässt man sich ein, zwei Nächte wegsperren als dass man Mist baut.
Ich bin dabei ein bisschen gerührt, auch wenn ich mir sicher bin, dass er nur aus seiner polizeilichen Fürsorge heraus fragt.
Das besorgt ihn erst recht, er kann ja nicht wissen, dass ich ständig und wegen jedem Scheiß heule, und erst recht wenn ein Polizist auf der Suche nach einer Lebensmüden der erste Mensch an dem Tag ist, mit dem ich spreche.
Als der Polizist wieder in sein Auto steigt, frage ich mich, ob es wohl okay ist, einen Polizisten im Dienst nach seiner Privatnummer zu fragen.
Über Park Fiction, Verzeihung, Gezi Park, laufe ich zurück, Reeperbahn, Große Freiheit, alles ist ungewohnt leer, fast alles ist zu. Die Lichter sind an, aber es ist so still, kein kochender Hexenkessel, der nach billigem Parfum und Alkohol riecht, wie sonst.
Einzig und allein der Kiosk vorne an der Ecke hat geöffnet, ich hole mir eine Cola light, sehe in Augen die mich erkennen. Das ist sehr wertvoll. Das gibt einem das Gefühl von zu Hause sein – wenn’s nur der Mann ist, der mir Cola light und Zigaretten verkauft, und weiß welche Marke ich rauche.

Wieder in der zu Hause beschließe ich, diesen Tag zu dokumentieren.
Um festzustellen, dass die Angst vor dem Alleinsein an Weihnachten berechtigt ist, aber auch völlig unberechtigt. Denn (uh, Fazit!) wenn ich morgen aufwache, dann weiß ich dass es wieder eine Sache mehr gibt, die ich gut kann, und die vermutlich viele Menschen nicht so gut können:

Allein sein. Auch wenn’s manchmal ein bisschen wehtut.

 

flattr this!

Was kostet meine Integrität?

18. Oktober 2012 von Knitterfee | 2 Kommentare

150 Euro.
Zumindest habe ich das letztlich mal behauptet.

Letzte Nacht flatterte mal wieder eine Anfrage einer New Media Agentur in mein Mailpostfach – mit Standard-Text, aber immerhin fehlerfrei. Und auf englisch. Ich bin des Englischen mächtig, das ist nicht der Punkt – aber dieser Blog enthält doch eben überwiegend Beiträge auf deutsch. Da fragt man sich, was genau wollen Werbekunden von der Insel und aus dem englischsprachigen Raum mit Werbung auf meiner Seite?
Eine Rückfrage bei der Agentur ergab, dass die Art der Werbung völlig zufällig sein würde.
Wozu soll ich einen Banner für Online-Games auf meiner Seite platzieren, oder für eine Kreditbank? Das waren neben den üblichen Verdächtigen Kosmetik, Gesundheit und Kommunikation die Themen, die mir auf meine Frage genannt wurden.
Diese Art von Onlinewerbung ist etwas, das man 1999 gemacht hat, bis man feststellte, dass
total seltsam und unerwartet – irgendwann ein Sättigungseffekt eintritt und die Menschen
noch seltsamer und unerwarteter – genervt waren von blinkenden Bannern und Popups.
Ich habe keine Probleme mit Werbung, ganz im Gegenteil, eine zeitlang habe ich mein Geld mit Werbung verdient, und würde es auch jederzeit wieder tun (gerne sogar!).

Womit ich als Verbraucherin und Bloggerin in Personalunion ein Problem habe, ist Bullshit.

Wie regelmäßige Leser meines Blogs wissen, spicke ich bei Gelegenheit Texte mit Affiliate-Links – jedoch nur, wenn ich ohnehin einen Link zu dem Shop gesetzt hätte.
Für einige Artikel recherchiere ich einige Stunden, für andere mache ich Fotos, immer investiere ich Zeit – und hauptsächlich tue ich das, weil ich Spaß daran habe.
Wenn aber der Spaß mich dabei unterstützen kann, das Hosting für den Blog zu zahlen oder alle paar Monate mal ein Amazon-Gutschein für mich dabei herauskommt, finde ich das schön.
Ich versuche auch immer, transparent zu machen, wann ich Affiliate-Links platziere. Manchmal vergesse ich es auch, und hoffe, dass es mir niemand übel nimmt.

Und ich hätte auch gar keine Probleme damit, für einen konkreten Betrag eine Werbefläche in meinem Blog freizumachen – sei es in einer Sidebar oder als bezahlter Eintrag.
Womit ich ein Problem habe, sind Firmen die Blogger abzocken – und sich selbst auch, indem sie in billigen Blogs mit schlechtem Stil Beiträge platzieren lassen.
So wie vor einigen Monaten, als ein Online-Brillenhändler auf mich zukam und fragte, ob ich Interesse an einer Kooperation hätte. Als ich nach Details fragte, wurde mein Blog dann plötzlich im Wert heruntergestuft und mir wurde gesagt, man könne keine großen Sprünge machen. Nachdem ich dem Mitarbeiter dann noch erklärt hatte, dass man “Du” als Anrede groß schreibt und ihn auf diverse andere Rechtschreibfehler in seiner letzten Mail hingewiesen hatte, war das ganze natürlich durch. Er versuchte das ganze charmant zu retten, er konnte ja nun nicht wissen, dass er bei mir damit an der völlig falschen Adresse gelandet war.
Kein einziges Mal wurde mir übrigens ein konkreter Betrag genannt, der mir als Gegenleistung für meinen Blogpost angeboten werden sollte. Das war mir einfach nicht konkret genug.

Was mich aber besonders faszinierte waren die Blogposts, die in den folgenden Wochen die einschlägigen Beautyblogs, die ich abonniert habe, auftauchten.
Urplötzlich waren xfach Bloggerinnen auf die Idee gekommen, genau bei DIESEM Onlineshop eine neue Sonnenbrille im Wert zwischen 120 und 150 Euro zu ordern. Einige hatten wenigstens noch den Anstand, die Kooperation anzumerken, andere sparten sich den Hinweis darauf, dass sie die Brille kostenlos bekommen haben, einfach ganz.

Dann gibt es noch Bloggergewinnspiele wie das von Sheego, an dem ich ja nun auch teilgenommen habe. Eigentlich muss jedem Veranstalter eines solchen Wettbewerbs klar sein: Wenn ich nicht gewinne, geht der Artikel offline. Ich habe einige Stunden investiert, stelle Werbeplatz bereit, und hätte ich das ganze im Rahmen meiner selbständigen Tätigkeit abgerechnet, hätte das ganze weitaus mehr gekostet als 150 Euro . Da ich nun gewonnen habe, werde ich den Artikel natürlich online lassen – das finde ich dann nur fair und gerecht.

Generell habe ich kein Problem damit, Werbung auf meinem Blog zu plazieren – sofern ich etwas davon habe, und meine mittlerweile 5 ½ Leser auch. Und damit meine ich nicht einen 10% Gutschein für einen Onlineshop, sondern sinnvolle Werbung zu Themen, die mich und die Leser dieses Blogs wirklich interessiert.
Denn wenn ich einen ganzen Artikel schreibe, an dem ich zwei oder mehr Stunden sitze, und für den ich dann auch noch Fotos mache und bearbeite, dann möchte ich dafür entsprechend entlohnt werden – sonst kann ich nicht glaubhaft vermitteln, dass ich das ernstmeine, was ich gerade verzapfe, und dann landen wir wieder beim Bullshit!

Übrigens: Seitdem ich diesen Artikel geschrieben und aus persönlichen Gründen auf Eis gelegt habe, habe ich bereits wieder Anfragen für bezahlte Blogartikel bekommen.

Was kostet also meine Integrität? Nicht 150 Euro, jedenfalls.
Aber wer sich nach diesem Artikel noch ernsthaft für Werbeplatzierungen in meinem Blog interessiert, darf mir gerne eine Mail schreiben, in der er konkret schildert, welche Art von Kooperation er sich vorstellt und was er dafür bereit ist, zu als Gegenleistung zu erbringen.

Und Ihr so? Was haltet Ihr von Blogger-Bullshit? Und was kostet Eure Integrität?

flattr this!

20. Juni 2011
von Knitterfee
Keine Kommentare

Neue Ohrhängerchen

Dawanda hat ein neues Feature, bei dem dem geneigten Blogger ein Code zum einbinden auf dem Blog generiert wird. Muss ich natürlich gleich mal ausprobieren! Entdeckt auf DaWanda Von: sophie_sticated Kitty Ohrhänger   Entdeckt auf DaWanda Von: sophie_sticated Ohrhänger Schmetterlinge … Weiterlesen