Ich mache gerne Pläne. Noch lieber mache ich Pläne und werfe sie dann über den Haufen, und dann mache ich alles anders. Vor nicht ganz drei Wochen beschloss ich, den Zuckerteufel zu töten. Nach dem Nikotinteufel, den ich bereits vor gut zwei Jahren erledigt habe, war es nun Zeit, das riesengroße Monster in meinem Kopf zu besiegen.
Genau weiß ich nicht, wie es dann passierte, dass ich beschloss, Kohlenhydrate so weit wie nur irgendwie möglich komplett von meinem Speisenichtplan zu streichen. Vielleicht waren es die Magenkrämpfe und der kalte Schweiß nach der Portion Nudeln, die ich nach einer stark KH-reduzierten Woche gegessen hatte. Vielleicht aber auch die Erkenntnisse, dass ich nicht alleine bin, dass man mit Fett und ein bisschen 70%iger Schokolade den Zuckerteufel plattmachen kann wie eine Flunder, und, dass ich nicht_mehr_hungrig bin.
Für jemanden, der nicht weiß wie es ist, ständig hungrig zu sein und eine Insulin-Achterbahnfahrt nach der anderen zu machen, ist das nicht nachvollziehbar. Wer auch nur ansatzweise weiß wovon ich spreche, kann die tränenreiche Rührseligkeit verstehen, die mich ereilte als ich vor ein paar Tagen feststellte, dass ich den ganzen Tag noch keinen Hunger gehabt hatte. Und besonders Christian, der durchaus auch mal die totale Verzweiflung zu spüren bekam, wenn in der Vergangenheit mein Blutzucker in den Keller rauschte, und ich einfach nur HUNGER hatte und nur noch Saft oder andere Kohlenhydrate helfen konnte, wenn mir schwindelig und zittrig wurde, und ich mir nicht mal ansatzweise im Klaren war, was ich mir damit angetan habe – ein einziges hoch und runter, kein Wunder dass einem davon kotzübel wird.
Und eigentlich wollte ich gar nicht so viel darüber schreiben, sondern nur ein paar Fotos von Essen zeigen, dass ich so zu mir nehme. Von Kartoffeln bekomme ich übrigens (bisher) kein Bauchweh und kalten Schweiß, daher gibt es einmal die Woche Pommes, und zwar die (meiner Meinung nach) besten der Stadt, im Irish Pub.
Essensfotos, zum Teil leider auch köstliches aber sehr hässlich aussehendes Futter – aber ich bin ja nicht oberflächlich.

Champignons und Bratwurstklösschen mit Kräutern, Parmesan und Spinat.

Kalbsbraten mit hässlicher (leckerer) Soße und grünem Spargel (aus dem Ofen, gebacken.)

Salat mit geschmolzenem Ziegenkäse

Saltimbocca (mit Schinken und Salbei. OMG. SO LECKER!)

Zucchini und Champignons in Creme Fraiche-Sahne-Soße.

Spieße vom Asia Imbiss – wohl etwas in Mehl gewendet, aber mhmpf.

Lachs in Schinken mit Spinat, ein paar Linsen und Joghurt. Linsen haben zwar schon gut Kohlenhydrate, aber auch einen verhältnismässig hohen Eiweißanteil, daher finde ich sie ab und zu okay. Meinetwegen hätten wir sie aber auch weglassen können.

Mein erstes Heinrich-Knäcke. Knusper-Knusper Schmäuschen.

Heinrich mit Salami und Mortadella. Warum ist eigentlich in JEDER Wurst Zucker drin?
Zum Frühstück gibt’s meist unspektakuläre Eier oder mal nen Joghurt mit Apfel. Manchmal auch gar nichts, wenn ich noch satt bin esse ich erst mittags wieder.
Zwischendrin wenn mir nach snacken ist, esse ich gerne ne Möhre, Paprika mit Frischkäse bestrichen, Käsewürfel oder ne Scheibe Wurst oder Schinken. Wenn man die scheinbare Notwendigkeit einer Scheibe Brot aus seinem Kopf verbannt hat, geht das super.
Und ich mag Schokolade essen ab und an. Die 70%ige von Lindt. Und heute hab ich mir bei Mutterland noch drei weitere zum testen gekauft:

Und ne Tasse. Für meinen Tee.
[Jetzt stellt Euch einfach vor, dass 5 Stunden vergangen sind, denn ich war weg, nachdem ich das oben geschrieben habe
]
Soeben bin ich übrigens aus dem Kino wiedergekommen. Wir haben Django Unchained gesehen, ein absolut großartiger Film, wer ihn noch nicht gesehen hat und Blutbäder erträgt (oder so wie ich, sogar genießt
), sollte ihn sich unbedingt ansehen. Niemand lässt so schön Blut spritzen und Blut auf weiße Dinge spritzen wie Tarantino.
Jetzt esse ich ein paar Kirschtomaten und Käsewürfel, trinke einen Liter Wasser und freue mich des Lebens.
Nachtrag, weil ich nicht möchte, dass mein Geschreibsel ggf. in den Kommentaren verloren geht und ich denke, dass es auch zur Vervollständigung meiner Einleitung beiträgt.
Finjas Fragen: vor einiger Zeit habe ich schonmal mit Low Carb Ernährung einige Pfunde puzlen lassen und war eigentlich auch ganz begeistert, doch dann wurde ich “rückfällig”. Jetzt würde ich das Ganze gerne wieder ausprobieren, weil ich sehr unzufrieden mit meinem Gewicht bin und nicht noch weiter in die “ungesunde Zone” abrutschen möchte. Allerdings kann ich mich irgendwie nicht so richtig motivieren, weil zum einen bei uns viel mit Kartoffeln und Nudeln gekocht wird und zum anderen immer irgendwo Süßigkeite rumschwirren

Das macht es natürlich nicht gerade einfach… ich habe an sich kein Problem, für mich selber zu kochen, aber mir fehlt einfach irgendwie die Motivation. Bisher habe ich auch nur abends auf KH verzichtet, irgendwie traue ich mir den Sprung zu No Carb nicht zu.
Also meine Fragen:
Wiekonntest du dich “überwinden”, nahezu komplett Kohlenhydrate zu verzichten?
Wie motivierst du dich, die Sache weiter durchzuziehen?
Machst du zusätzlich Sport und setzt du dir abends ein zeitliches Limit zum essen?
Und als letztes: was hältst du von Eiweißbrot, wenn man nicht auf Brot verzichten kann/ will?
Hoffe, du hast Lust, mir ein paar Tipps zu geben?
Erstmal kann ich gut verstehen, dass Du rückfällig geworden bist. Für mich ist meine Gewöhnung an Kohlenhydrate, insbesondere Zucker, sehr stark zu vergleichen mit dem rauchen.
Ich habe vor zwei Jahren aufgehört, und die Erfahrung, die ich gemacht habe, war dass es mindestens ein Jahr dauert, bis man wirklich über den Berg ist. Ein Jahr ohne, all die Anlässe, zu denen man raucht, sei es der Weg zum Bus, sei es der Geburtstag, andere Feiertage, jede einzelne Mittagspause. Ein bisschen so scheint es mir mit LCHF auch zu sein. Der erste Kinobesuch ohne Popcorn, der erste Geburtstag ohne Kuchen, der Umgang mit Alkohol beim Weggehen, jeder einzelne Löffel Zucker im Kaffee, den man nicht zu sich nimmt.
Für mich liegt das Geheimnis der “Überwindung” darin, dass ich mir nichts verbiete. Es gibt keine Tabus. Wenn ich jetzt wollte, könnte ich in die Küche gehen, mir ein Eis aus dem Gefrierschrank holen, ein Kilo Zucker draufschütten und es essen. Es gibt niemanden auf der Welt, der mir das verbieten kann – und ich halte es für mich persönlich für fatal, Essen religiös zu sehen und in gute und böse einzuteilen.
Aber ich weiß nunmal jetzt, was Zucker mir antut, und das nur, weil mein Körper mir ja mit der Fetteinlagerung was gutes tun will. Zucker ist nicht böse – ich brauche ihn nur einfach nicht.
Wenn man das Tag für Tag im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib erfährt, braucht man eigentlich keine Überwindung mehr. Klar, manchmal sind Körper und Kopf noch nicht ganz dort angekommen, aber man kann nicht erwarten, dass man seinen Körper Jahrzehnte lang mit Zucker und Kohlenhydraten zumüllt und dann erwartet, dass innerhalb kürzester Zeit wieder alles normal wird. Das wird es vermutlich nie wieder so richtig.
Zu dem Thema kannst Du auch mal bei Sudda vorbeischauen, die hab ich mir (das weiß sie aber noch nicht
) als eine Art passive Patin (Guru? ;D) für LCHF ausgesucht.
http://suddas.blogspot.de/
Ich finde das Konzept, nur abends die KH-frei zu essen, etwas unglücklich. Für mich würde das nicht funktionieren, allein schon wegen der Insulin-Achterbahn am Tag. Um von den positiven Auswirkungen von LCHF zu profitieren, muss man wirklich die Angst vor dem Fett verlieren, und das geht nur, wenn man Fett als primäre Energiequelle voll und ganz akzeptiert.
Und ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn man tagsüber Kohlenhydrate isst und abends dann noch die großen Mengen Fett, damit man nicht hungrig ins Bett muss. Das gleiche gilt imho für das Eiweißbrot-Gedöhns.
Ich habe mir mal das erste Brot im ersten Shop gesucht, den ich gefunden habe, und die Inhaltsstoffe angesehen.

Muss man das wirklich haben? Ich weiß es nicht. Ich nicht. Bei Sudda findet man in den Rezepten Heinrich-Knäcke und Oopsies, beides eine Art Brotersatz. Es geht bei LCHF darum, sich damit zu beschäftigen, was man isst, möglichst naturbelassen zu essen, und nicht noch kuriosere Erfindungen der Nahrungsmittel-Industrie wie Lowcarb-Brot und Schokoriegel zu unterstützen. Abends habe ich keinerlei Zeitbegrenzung, was ich gerne esse. Das war mein Mitternachtssnack letzte Nacht, nur mal schnell aus meinem Instagram-Account:

Sehr leckere Hähnchenbruststückchen in gewürztem Sesam gewendet, in Kokosöl ausgebacken, mit einem Dip aus Kokoscreme und Erdnussmus. Salz, Koriander und ein Löffel Currypaste dazu, fertig.
Sport mache ich im Rahmen meiner Möglichkeiten, aber eher Alltagssport im Sinne von “den unbequemeren Weg wählen”. Sprich, Strecken von bis 3 km, die ich bisher mit dem Rad gefahren bin, gehe ich jetzt zu Fuß um auch auf meinen eigenen Füßen sicherer zu sein, Strecken die ich bisher mit Bus, Bahn oder Taxi zurückgelegt habe, mache ich mit dem Rad, sofern es nicht regnet, schneit oder stürmt 
Ansonsten habe ich mich noch nicht dazu durchringen können, mehr zu machen – ich würde gerne langfristig wieder schwimmen gehen, könnte mir auch Zumba vorstellen wenn ich jemanden finde, der Lust hat das mit mir gemeinsam zu machen, oder wieder mal Inlineskates anzuschnallen. Für letzteres muss aber erst noch einiges an Gewicht runter, sonst macht mein Körper die Belastung leider nicht mit. Tanzen gehen würde ich auch gerne mal wieder.
Zum Thema Motivation: Ich will zu meinem 31. Geburtstag in eine bestimmte Klamotte passen (kurzfristige Motivation). Langfristig: Ich will leichtfüßig durch die Gegend laufen können. Ich will mal zu ner Ü18-Party zu einem Indoorspielplatz. Mit Bällebad. Ich will auf dem Trampolin springen können, ich will einen gewissen Spaß an Wettbewerb haben und mich mit meinen Freunden im klettern, springen und laufen messen. Ich will rennen können, um den Bus noch zu kriegen. Ich will keinen Hunger mehr haben, sondern glücklich sein. Ich will, dass mir immer warm ist, und dass ich nicht mehr ständig kalte Füße habe. Ich will kein Diabetes bekommen. Ich will älter als 60 werden. Ich will auf Konzerte gehen und vor Freude in die Luft springen. Ich will in einen Neoprenanzug passen, um an der irischen Westküste mit Delphinen zu schwimmen. Ich will einen Elefantenführerschein machen und mit Elefanten 14 Tage durch die Gegend reiten. Ich will vielleicht sogar mal Fallschirm springen.
Und was mir zudem noch hilft, sind Ketostix, die Aria-Waage, meine Runkeeper-App und ab nächster Woche auch mein Fitbit. Es ist so viel einfacher, Zahlen oder sich verfärbende Felder abzulesen. Wenn ich auf den Ketostix sehe, dass sie sich pink bis lila verfärben, gibt es keinen Grund, Kohlenhydrate zu essen, denn dann bin ich da, wo ich sein will. Zum Thema Ketose schreibe ich jetzt aber nichts, das sollte sich jeder selbst erschließen. Die Waage misst auch Körperfett, wenn auch nicht so genau wie mit klinischen Messmethoden. Manchmal sieht man aber einfach, wie deutlich das Körperfett runtergeht, während sich am Gewicht nicht so viel tut. Und das/der Fitbit misst, wie aktiv man ist, ohne dass man ständig die App laufen haben muss. Manchmal, wenn ich Lust habe, schreibe ich auch noch in meinem FDDB-Account auf, was ich so gegessen habe, um zu sehen wieviele Kohlenhydrate sich wieder versteckt haben 
Man sollte bei allem, was ich geschrieben habe, nicht vergessen, dass ich gerade mal 3 Wochen aktiv dabei bin, und auch wenn ich in meinem Freundeskreis doch so einige Menschen habe, die mir schon vorher den Weg geebnet haben, sei es über ihre Erfahrungen mit LCHF oder Paleo, bin ich ein Anfänger und kein Berater. Letzten Endes muss jeder seinen Weg finden, nicht meinen. 
Die Links sind übrigens wie immer ggf. Affiliate-Links, da ich mich dringend an meinen 12 1/2 Lesern bereichern möchte
