Qype: Fugu
4. Januar 2013 von Knitterfee | Keine Kommentare
FailFugu
Ich habe lange versucht, meine Erfahrung im Fugu in meine übliche Form für Rezensionen zu bringen, nach dem dritten Anlauf jedoch werfe ich nun das Handtuch und schreibe meinen Bericht so herunter, wie mir die einzelnen Punkte auffielen.
Das Fugu ist loungig und spielt Smooth Jazz. Ein Internetstream. Regelmäßig wird man mit Werbeunterbrechungen gestört, die darauf hinweisen, dass man den Stream auch werbefrei und in besserer Qualität beziehen kann.
Beide Toilettenbrillen auf der Damentoilette hatten Flecken – und zwar keine Wasserflecken. Offensichtlich wird dort nicht wenigstens alle paar Stunden mal drübergewischt. Oberflächlich macht alles sonst einen sauberen Eindruck, aber wenn ich erstmal selber die Brille wischen muss…
An allen Ecken und Enden sah ich halbtote Pflanzen (vertrockneter Glücksklee und Schnittblumen). Auch nicht so richtig schön.
Die Bestellung läuft über ein Tablet. Ausser uns waren noch zwei weitere Tische belegt, die restlichen waren frei. Es wäre wohl also auch möglich gewesen, uns ein zweites Tablet (Samsung) zu geben, dann wären wir auch mit der Bestellung etwas schneller gewesen.
Die Software auf den Tablets bedient sich eher schlecht, unübersichtlich und ruckelig. Wenn ich zu Hause Sushi bestelle, tu ich das auch am liebsten am Rechner und nicht mit meinem iPad. Es gibt keinen „Service rufen“ Button. Ebenso gibt es keine Möglichkeit, die Bestellung auf verschiedene Personen aufzuteilen.
Aus der Küche kommt alles so, wie es eben kommt. Auch ist im Bestellsystem nicht vermerkt, wenn etwas nicht mehr erhältlich ist.
So wurde uns, nachdem wir dann mühsam unser Menü gebastelt hatten, dass weder Wagyu noch Entenbrust verfügbar seien – mit der Anmerkung, die Lieferanten würden sie irgendwie in der Luft hängen lassen.
Überhaupt, der Service war skurril. Keine Kommunikation beim Bestellprozess dank der Tablets, dafür aber großes Rätselraten beim bringen des Essens, wer jetzt was bekommt. So landeten manche Maki auf dem Teller meines Freundes – mir egal, ich picke sie mir auch bei ihm runter, aber bei einem Geschäftsessen ist sowas ja eher unüblich. Ich glaube, wir hatten insgesamt 8 verschiedene Teller auf dem Tisch. Was mich besonders wundert: auf der Online-Bestellseite von Sushi Factory ist es möglich, beliebig viele Boxen zusammenzustellen. Warum war es nicht möglich, dies auch bei der Software, die auf den Tablets installiert ist, umzusetzen?
Für mich bedeutet GUTER Service, insbesondere in der Preisklasse des Fugu, dass sich offenbar wünscht bei den Großen mitzuspielen (ausliegende Golfklubmagazine…), dass sich jemand um mich kümmert, mich fragt was ich trinken möchte, mir einen Aperetif vorschlägt, sich merkt, was ich bestellt habe und was mein Freund bestellt hat, und nicht fragen muss, wer was bekommt.
Zur Qualität des Essens kann ich nur sagen, dass ich mit meiner Auswahl zufrieden war. Ich hatte etwas Lachs Sashimi mit Limettensoße, eine Lachsauswahl, Yakitori-Spieße und einige etwas speziellere Maki mit frittiertem Schweinefilet und einer Senfsoße. Die Yakitori-Spieße waren okay, der Rest war, wie gewohnt bei Sushi Factory, sehr gut.
Mein Freund hatte es leider nicht so gut getroffen. Zu ein paar klassische Lachs und Thunfisch Maki-Rollen hatte er sich das irische Ochsenfilet bestellt – 200 Gramm Filet sollten es sein. Uns ist klar, dass es sich bei den Angaben auf Speisekarten üblicherweise um das Rohgewicht des angebotenen Fleisches handelt. Leider hilft einem das nicht mehr viel, wenn etwa 1/3 des Stücks aus Fettrand bestehen.
Es wäre nicht das Thema gewesen, hätte sich der Service in dieser Situation angemessen verhalten. Als mein Freund jedoch enttäuscht auf sein Steak sah (und er bestellt nunmal eben immer Filet, weil er Fettränder und ähnliches nicht ausstehen kann), und den Service dazu befragte, sagte dieser lediglich, er könne in der Küche nachfragen ob es sich wirklich um ein Filet handle. Er kam mit der information wieder, es handle sich um ein Filet. Und dann stand er an unserem Tisch und sagte fast schon genervt und eher widerwillig „Tja, was soll ich machen?“.
Nun muss man wissen, mein Freund ist ein Gutmensch und entschloss sich, den genießbaren Teil seines Essens zu verspeisen und ließ den Rest frustriert liegen. Man kann natürlich sagen, er hätte den Teller zurückgehen lassen können, und ich hätte das an seiner Stelle auch getan. Auf dem Bild kann man ganz gut sehen, wie viel Fettrand an dem “Filet” war. Selbst wenn mal ein Stück am Filet nicht perfekt ist, SO sollte es nicht aussehen.
Fakt ist aber, dass wir erst ganz am Ende, als wir die Rechnung bestellten, noch mit schiefem Mund und widerwillig gefragt wurden: „Kann ich denn noch etwas für Sie tun, wenn ich Sie schon nicht zufriedenstellen kann?“. „Was schlagen SIE uns denn vor?“ „Joa… n Dessert, Kaffee oder nen Schnaps?“.
Sorry, aber wer ein Gericht für 25 Euro versaut und es dann nur mit großer Mühe hinbekommt, am Ende noch etwas retten zu wollen, und dabei (vermutlich jenseits der 40) aussieht wie ein Konfirmand wenn er sein Sprüchlein aufsagt – was will man da noch sagen? Mir war jedenfalls die Lust vollständig vergangen.
Bei einem souveränen und guten Service wäre folgendes passiert: Sofort wäre proaktiv angeboten worden, den Teller wieder in die Küche zu bringen und ein alternatives Gericht zu servieren. Oder: Sofort wäre proaktiv angeboten worden, wenigstens einen Teil des Preises zu reduzieren. Oder: Sofort wäre proaktiv angeboten worden, ein paar Maki nach Wunsch extra zu servieren. Oder: Sofort wäre angeboten worden, ein Dessert kostenfrei zu erhalten. Man merkt schon, proaktiv ist das Wort der Stunde. Denn da mein Essen in Ordnung war, hat mich am meisten gestört, dass der Service unmotiviert, lustlos und in keiner Situation souverän wirkte.
Ich würde das Fugu empfehlen, wenn man: Bei Sushi Factory bestellt oder bestellt und abholt (und sich dann an die Elbe setzt, ist im Sommer bestimmt ganz nett) und wenn man sich nur für Sushi entscheidet.
Ich würde das Fugu nicht empfehlen, wenn man auf liebevolle Details und einen guten Service wert legt, oder in Begleitung von Menschen ist, die keinen Fisch essen (wollen).
Dafür, dass mein Essen in Ordnung war, 2 Punkte. Eigentlich aber nur 1 1/2. Meine Bewertung auf Qype (ohne Bilder).
Preisleistung: 78 Euro für zwei Personen – wohlgemerkt, kein Wein oder Prosecco oder Dessert in der Rechnung enthalten. Muss man wissen. Ich fand es aufgrund des Steak-Erlebnisses völlig überteuert. Mein Eindruck ist, dass das Fugu gerne ein besonderes Erlebnis bieten möchte, das Konzept aber nicht vollständig zu Ende gedacht wurde und das Ergebnis daher eher mittelmäßig bis schlecht ist.
Weitere Bilder (leider teils etwas verwackelt, sorry.)

















