Critical Mass Hamburg – und Fahrrad fahren in Hamburg generell.
31. März 2012 von Knitterfee | 3 Kommentare
Ich hoffe, ich kann nächstes Mal richtig mitfahren, wenn Critical Mass wieder seine Runden durch die (erweiterte) Innenstadt zieht. Großartig war es jedenfalls, das ganze anzusehen und das Klingelkonzert zu hören.
Für diejenigen, die noch nie von Critical Mass gehört haben: Es ist der Versuch von Fahrradfahrern, sich Ihren Platz in den Städten wieder frei zu kämpfen.
Eine solche Fahrt ist ein bisschen wie ein Flashmob: Der Ort, wo gestartet wird, wird immer erst wenige Stunden zuvor bekannt gegeben, liegt aber meist recht zentral.
Nun möchte sich der geneigte Autofahrer auf den Standpunkt stellen, dass Fahrradfahrer nicht auf die Straße gehören, das ist jedoch nicht ganz richtig.
Zum einen gibt die StVO §27 vor, dass eine Gruppe ab 15 Fahrradfahrern (die Quellen im Internet wiedersprechen sich, manche sprechen auch von 16 Fahrern) einen Verbund darstellt, und daher eine Fahrbahn zu zweit nebeneinander fahrend nutzen darf (dementsprechend ist dann die Fahrbahn für die Autofahrer “blockiert”). Zu Radwegen schreibt der ADFC: “1) Die Benutzungspflicht ist seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung von 1998 nur noch dann gegeben, wenn der Radweg durch ein blaues Schild (Zeichen 237, 240, 241) gekennzeichnet ist. Wo dies fehlt, darf auch bei vorhandenem Radweg die Fahrbahn benutzt werden (sogenannte “andere Radwege” mit freiwilliger Benutzung gem. § 2, Abs. 4, Satz 3 StVO). “
Critical Mass ist eine Aktion, die wirklich wichtig ist.
Als Fahrradfahrerin auf Hamburgs Straßen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es fast lebensgefährlich ist, sich mit dem Rad fortzubewegen. Und das, obwohl ich mich weitgehend regelkonform verhalte. Aber: Oft genug wird mir das schwer gemacht. Radwege sind schlecht gepflastert und unkomfortabel zu befahren, und meistens laufen Fußgänger darauf rum.
Auf dem Radweg-Übergang am Axel-Springer-Platz (zwischen Bäcker und Haspa) stehen und gehen jeden Morgen Fußgänger. Ständig muss ich Fußgängern ausweichen, weil niemand mehr nach rechts und links sieht, bevor er eine Straße an einem “nicht gesicherten Übergang” überquert.
Autos schneiden mich, drängeln hinter mir, weil sie Angst haben zu überholen, oder stellen sich mitten auf eine Kreuzung vor mich, weil sie dann 0.5 Sekunden beim Start zu gewinnen glauben.
Es gibt im Innenstadtbereich Hohe Bleichen / ABC-Straße keine Schilder, dass ich mit dem Fahrrad gegen die Einbahnstraße fahren darf. Also habe ich die Wahl: es trotzdem tun mich im morgendlichen Lieferverkehr von einem LKW überfahren lassen oder auf dem Gehweg fahren und mich anpöbeln lassen. Oder schieben und damit doppelt so viel Platz wegnehmen wie wenn ich im Schritttempo fahren würde.
Ich habe wirklich immer und immer mehr das Gefühl, dass wir als Fahrradfahrer einfach die Arschlöcher im Straßenverkehr sind, für jeden anderen, und ich denke, dass es wichtig ist, dass wir uns bemerkbar machen.
Wichtig ist aber auch, dass wir uns richtig verhalten, so gut es eben möglich ist (Licht an!).
Linksammlung zum Thema:
http://www.adfc.de/
Straßenverkehrsordnung
Critical Mass auf Facebook
Wikipedia-Artikel zum Thema Critical Mass
http://de.wikipedia.org/wiki/Critical_Mass_%28Protestform%29
